Private Endpoints in Azure: Vorteile, Nachteile und echte Kosten

Private Endpoints in Azure: Vorteile, Nachteile und echte Kosten

Private Networking in Azure erhöht die Sicherheit, bringt aber auch höhere Kosten und mehr Architekturaufwand mit sich. Wir erklären, welche Risiken oft übersehen werden und wann Private Endpoints wirklich sinnvoll sind.

Inhaltsverzeichnis

Private Networking in der Cloud erhöht die Sicherheit, bringt aber Kosten und deutlich mehr Komplexität mit sich. Der Beitrag zeigt, welche Auswirkungen Private Endpoints auf Architektur, Geschwindigkeit und Flexibilität haben.

ℹ️ Disclaimer: In diesem Artikel verwenden wir Begriffe aus der Azure-Welt. Die Konzepte gelten jedoch grundsätzlich für alle großen Cloudanbieter. Unter privatem Networking verstehen wir alle Mechanismen, die verhindern, dass Cloud-Ressourcen öffentlich erreichbar sind – etwa Private Endpoints, Private Link oder VNet-Integrationen.

Warum Private Networking Flexibilität und Geschwindigkeit kostet

Oberflächlich wirkt es einfach: Public Endpoints raus, Private Endpoints rein – fertig. In der Praxis verlieren wir damit jedoch genau die Freiheiten, die Cloudprojekte schnell, skalierbar und flexibel gemacht haben.

Wie stark der Effekt ausfällt, hängt wie immer vom Projekt ab. Entscheidend sind Fragen wie:

  • Welche Ressourcen und Dienste werden benötigt?
  • Wie sieht die voraussichtliche Nutzung aus?
  • Gibt es ein erfahrenes, zentral aufgestelltes Netzwerkteam?

Wenn Dein Unternehmen zu privatem Networking verpflichtet ist, bleibt kein Spielraum. Trotzdem ist wichtig zu wissen, welche zusätzlichen Aufwände entstehen. Vor allem da nicht alle Dienste private Endpoints oder VNet-Integrationen unterstützen.

Netzwerkdesign: Subnetze, Routing und DNS im Private Networking

Bei einigen Ressourcen ist ein privater Endpoint tatsächlich schnell eingerichtet, etwa bei Container Registry, Keyvault oder Storage Accounts. Trotzdem braucht selbst dieser Schritt ein eigenes Subnetz. Andere Dienste wie Container App Environments benötigen zusätzlich spezielle Subnetze.

Damit beginnt eine ganze Kette an Aufgaben: Wie groß müssen die Subnetze sein? Wie schneiden wir die virtuellen Netze? Welche IPs sind noch frei? Und haben wir Routing und DNS im Griff? Gerade bei Private Endpoints entsteht dadurch zusätzlicher Planungsaufwand. Solche Fragen begegnen uns regelmäßig in Azure Projekten.

Genau diese Themen hatten viele Teams in der Cloud eigentlich hinter sich gelassen. Mit Public Endpoints war es einfach, neue Services einzubinden, ganz ohne tiefes Netzwerkdesign. Privates Networking holt all diese Komplexität zurück und nimmt uns viel von der Leichtigkeit, die Cloud-Architekturen so attraktiv gemacht hat.

private versus public networking
Private Networking bedeutet auch, dass wir nicht sofort loslegen können.

Auswirkungen auf CI/CD: Interne Runner und Firewalls

Auch für das Deployment entsteht zusätzlicher Aufwand.

CI/CD-Pipelines verteilen Software und bauen Infrastruktur automatisiert auf. Tools wie Azure DevOps oder Github Actions sind jedoch Cloudservices. Wenn unsere Umgebung nicht mehr öffentlich erreichbar ist, gilt das auch für sie.

Die Folge: Wir müssen Runner innerhalb des eigenen Netzwerks aufbauen und zusätzlich Firewall-Regeln pflegen. Damit steigt der Betriebsaufwand und ein eigentlich unkomplizierter CI/CD-Prozess wird deutlich komplexer.

Kosten: Private Endpoints, DNS, Routing und Premium-SKUs

Private Endpoints selbst verursachen bereits laufende Kosten und haben damit auch einen direkten Einfluss auf die Cloudkosten. Hinzu kommen Ausgaben fĂĽr DNS- und Routingkomponenten und in einer Multi-Region-Architektur fallen diese Kosten sogar mehrfach an.

Bei manchen Services wird durch privates Networking zudem ein höheres Tarifmodell notwendig, etwa das „Premium“-Level der Container Registry.

Auch bei Azure API Management unterscheiden sich die bereitgestellten Netzwerkfunktionen je nach Plan,

  • beispielsweise Virtual Network Integration,
  • Virtual Network Injection oder
  • Private Endpoints zum Gateway.

Die Kosten reichen dabei, abhängig vom Tier, von rund 150 bis 2.800 US-Dollar pro Monat. Diese Unterschiede sind nicht spezifisch für Microsoft, sondern typisch für Cloudservices im Enterprise-Umfeld: Umfangreichere Netzwerkoptionen führen in der Regel zu höheren Betriebs- und Architekturkosten. Genau darauf soll dieser Abschnitt aufmerksam machen.

Erhöhter Arbeitsaufwand: Entwicklung, Betrieb und IaC

Der Arbeitsaufwand in der Entwicklung steigt beim Einsatz von Private Endpoints deutlich. In unseren Projekten sehen wir – je nach Architektur – 30 bis 80 Prozent zusätzliche Arbeit, vorausgesetzt, die Netzwerkkonfiguration steht bereits. Auch im Betrieb und im Troubleshooting bleibt der Aufwand erhöht.

Für privates Networking müssen zusätzliche Ressourcen bereitgestellt werden. Unsere Infrastructure-as-Code-Module enthalten in der privaten Variante rund doppelt so viele Zeilen wie in der Variante mit Public Endpoints.

Eine Entscheidung für privates Networking sollte früh getroffen werden. Ein späterer Umbau ist möglich, aber deutlich aufwendiger. Gerade deshalb ist eine klare „Cloud Transformation & Data Infrastructure“-Strategie entscheidend.

Private-Endpoint-Blume
Die Private-Endpoint-Blume braucht besondere Pflege.

Sicherheit: Mehr Isolation, aber nicht automatisch mehr Schutz

Wenn weniger Akteure einen Endpoint erreichen können, steigt die Sicherheit – das ist klar. Entscheidend ist jedoch das Gesamtsystem. Netzwerksicherheit sollte niemals als Ersatz für andere Schutzmaßnahmen verstanden werden. Aus Sicht der Cloud Security ist Isolation hilfreich, aber nur ein Baustein.

Die meisten Angriffe richten sich nicht gegen das Netzwerk, sondern gegen Identitäten. Social Engineering ist eines der häufigsten Einfallstore und viele Angriffe entstehen intern. Die Vorstellung „Hier kommt niemand rein“ wirkt zwar beruhigend, greift aber zu kurz.

Sicherheit entsteht erst durch ein Gesamtkonzept. Private Networking ist dabei nur ein Baustein. Wichtige Faktoren bleiben Zero-Trust-Prinzipien, wie starke Authentifizierung (MFA, Managed Identities), least privilege/RBAC, Segmentierung mit kleinem Blast Radius, regelmäßiges Patching und umfassende Observability.

Private Networking? Eine Entscheidungshilfe

private networking entscheidungshilfe
Private Networking ist richtig fĂĽr die, die es mĂĽssen, oder genug Zeit, Geld und Expertise haben.

Privates Networking beeinflusst Aufwand, Kosten und Architektur. Wichtig ist eine fundierte Bewertung der Vorgaben und Services. Wenn Du Unterstützung bei der Einschätzung oder Umsetzung brauchst, helfen wir Dir gerne weiter.

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Arne Kaiser

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Florian Stein

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