Datenqualität: Was Unternehmen von Claude Monet lernen können

Datenqualität: Was Unternehmen von Claude Monet lernen können

Was haben Claude Monet und die Datenqualität in Deinem Unternehmen gemeinsam? Dieser Beitrag zeigt, warum unscharfe, inkonsistente Daten Entscheidungen verzerren können und wie Du eine verlässliche Grundlage für Steuerung, Analysen und KI schaffst.

Inhaltsverzeichnis

Le Havre, 1872: Claude Monet steht am Fenster seines Hotelzimmers und malt den Sonnenaufgang über dem Hafen. Was er auf die Leinwand bringt, irritiert zunächst: verschwommene Kräne, ein diffuses Orange im Dunst, schemenhafte Boote. Ein Kritiker spottet später, das Bild sei nicht einmal fertig, sondern bloß eine „Impression“. Der Begriff bleibt hängen. Impression, soleil levant gibt einer ganzen Kunstbewegung ihren Namen: dem Impressionismus.

Es gibt eine unterhaltsame Theorie dazu, warum Monet den Hafen so malte, wie er ihn malte: Er sei kurzsichtig gewesen. Das Bild zeigte den Hafen demnach nicht unbedingt so, wie er war, sondern so, wie Monet ihn wahrnahm.

Mit der Brille von heute betrachtet, hätte Monet damit ein klassisches Problem der Datenqualität gehabt.

Gegenüberstellung eines scharfen und eines unscharfen Hafenmotivs im Stil von Claude Monet als Symbol für Datenqualität
Der Hafen von Le Havre als Analogie für Datenqualität: Fehlende Klarheit verändert, welche Signale wir wahrnehmen und bewerten können.

Die defekte Datenpipeline des Claude Monet

Bleiben wir kurz bei der Analogie: Monets Geschäftsprozess war das Malen. Sein Input war die Realität vor dem Fenster, seine Sensorik waren seine Augen, sein Output das Gemälde.

Zwischen Realität und Leinwand lag eine Verarbeitungsstrecke, also quasi eine Datenpipeline. Und in dieser Pipeline saß möglicherweise ein Defekt: Die Rohdaten – der Hafen von Le Havre mit Kränen, Dampfschiffen und Handelsströmen – kamen unscharf, verrauscht und farbverschoben an. Monet machte daraus Kunstgeschichte.

Ganz eindeutig ist diese Diagnose nicht. Ob Monet tatsächlich kurzsichtig war, wird unterschiedlich eingeordnet. Gesichert ist jedoch, dass er im Alter an Grauem Star litt. Seine Bilder wurden über Jahre rötlicher und gelblicher, weil seine Linse Blautöne zunehmend herausfilterte. Nach einer Operation im Jahr 1923 soll Monet erschrocken festgestellt haben, wie stark sich seine Wahrnehmung verändert hatte. Einige späte Werke überarbeitete oder zerstörte er anschließend.

Die Analogie geht damit über ein einmaliges Pipeline-Problem hinaus. Es geht um eine schleichende Verschlechterung der Datenqualität ohne Monitoring. Der Fehler tritt nicht plötzlich auf, sondern entwickelt sich kontinuierlich. Ohne geeignete Messung, Validierung und Verantwortlichkeiten bleibt er oft lange unbemerkt.

Warum ist Datenqualität für Entscheider:innen wichtig?

Die Pointe ist nicht, dass Monet einen Data Engineer gebraucht hätte. Für die Kunstgeschichte war die Unschärfe sogar ein Glücksfall.

Für Unternehmen gilt jedoch ein anderer Maßstab. Monet malte einen bedeutenden Handelshafen. Wäre er jedoch Händler gewesen, hätte er den Hafen als Marktplatz voller Informationen lesen müssen: Welche Schiffe liegen am Kai? Welche Waren werden gekauft? Wo entstehen heute Geschäftsmöglichkeiten?

Wenn Wettbewerber diese Informationen schneller oder verlässlicher erfassen, entsteht ein Nachteil. Während andere bereits handeln, sucht man selbst noch nach den relevanten Signalen.

Genau deshalb sind Daten das Sinnessystem Deines Unternehmens.

So wie Monets Augen zwischen Hafen und Leinwand standen, stehen Deine Daten zwischen Realität und Entscheidung. Märkte, Kunden, Wettbewerber und interne Geschäftsprozesse nimmst Du nicht unmittelbar wahr. Du siehst sie durch Berichte, Dashboards, Excel-Listen, operative Systeme und informelle Updates.

Die Bedeutung der Datenqualität liegt deshalb nicht allein in technisch korrekten Datensätzen. Es geht darum, ob Daten für den vorgesehenen Zweck geeignet sind: für die Steuerung von Geschäftsprozessen, die Analyse von Kundenverhalten, die Bewertung von Risiken oder die strategische Entscheidungsfindung.

Schlechte Datenqualität kann dazu führen, dass Zahlen zwar plausibel erscheinen, aber keine belastbare Grundlage für Entscheidungen bieten. Gute Datenqualität schafft dagegen eine gemeinsame, vertrauenswürdige Faktenbasis.

Schlechte Datenqualität: Typische Symptome im Unternehmen

Viele Unternehmen kennen Situationen wie diese:

  • Vertrieb und Controlling berichten unterschiedliche Umsatzzahlen. In der Monatsrunde wird zunächst diskutiert, welche Zahl gilt, statt über Maßnahmen und Entscheidungen zu sprechen.
  • Die Kalkulation eines Projekts liegt in einem System, die Ist-Kosten in einem anderen. Eine verlässliche Sicht auf die Marge entsteht nicht oder nur mit hohem manuellem Aufwand.
  • Ein wichtiger Frühindikator für Kundenabwanderung existiert grundsätzlich, ist aber auf mehrere Excel-Dateien und Datenquellen verteilt.
  • Drei Abteilungen beantworten die Frage „Wie lief Q2?“ mit drei unterschiedlichen Zahlen und Interpretationen.
  • In Datenbeständen finden sich unvollständige oder fehlerhafte Daten, Duplikate und unterschiedliche Formate für dieselben Informationen.

Das ist wie der Hafen von Le Havre im Morgennebel: Es entsteht ein Bild der Realität, aber es bleibt eine Impression.

Probleme mit der Datenqualität sind dabei jedoch nicht auf einen einzelnen Datensatz beschränkt. Sie können entstehen, wenn Daten aus verschiedenen Quellen zusammengeführt werden, ohne dass Definitionen, Metadaten und Standards abgestimmt sind. Auch manuelle Übertragungen, fehlende Validierung oder unklare Zuständigkeiten können zu Inkonsistenzen führen.

Definition von Datenqualität: Wann sind Daten wirklich nutzbar?

Eine allgemeingültige Definition von Datenqualität gibt es nicht losgelöst vom konkreten Einsatzgebiet. Die Qualität der Daten bemisst sich daran, ob sie die Anforderungen einer bestimmten Entscheidung, Analyse oder Automatisierung erfüllen.

Für die Bewertung der Datenqualität sind insbesondere diese Aspekte der Datenqualität relevant:

  • Genauigkeit: Stimmen die Daten mit der abgebildeten Realität überein? Eine ungenaue Kundenadresse, ein fehlerhafter Umsatzwert oder eine falsch zugeordnete Kostenstelle können Analysen und Folgeprozesse beeinträchtigen.
  • Vollständigkeit: Enthalten Datensätze alle Informationen, die für ihren Zweck erforderlich sind? Fehlende Werte können die Aussagekraft von Berichten deutlich einschränken.
  • Konsistenz: Sind Angaben über Systeme, Zeiträume und Fachbereiche hinweg einheitlich? Wenn ein Kunde in verschiedenen Datenquellen unterschiedlich geführt wird, fehlt eine konsistente Sicht.
  • Gültigkeit: Entsprechen Werte dem vereinbarten Format, zulässigen Wertebereichen und fachlichen Regeln?
  • Eindeutigkeit: Lässt sich ein Objekt, etwa ein Kunde, Produkt oder Vertrag, klar identifizieren? Ein Duplikat kann sonst zu verzerrten Auswertungen führen.
  • Relevanz: Unterstützen die vorhandenen Daten tatsächlich die jeweilige Fragestellung und Entscheidung?

Diese Dimensionen der Datenqualität zeigen: Datenqualität ist kein rein technisches Thema. Genauigkeit, Konsistenz und Gültigkeit müssen fachlich definiert und organisatorisch verankert werden.

Datenqualität messen: Vom Bauchgefühl zu klaren Metriken

„Wir haben ein Problem mit unseren Daten“ ist eine wichtige Beobachtung, aber noch keine belastbare Analyse. Um Datenqualität zu messen, braucht es klare Erwartungen an kritische Datensätze und nachvollziehbare Metriken.

Die Messung der Datenqualität beginnt deshalb mit konkreten Fragen: Welche Daten sind für einen Prozess oder eine Entscheidung besonders relevant? Welche Qualitätsanforderungen gelten für sie? Und wie lässt sich regelmäßig prüfen, ob diese Anforderungen eingehalten werden?

Ein Beispiel: Für eine vertrauenswürdige Kundenanalyse kann es erforderlich sein, dass Kundendaten vollständig, konsistent und eindeutig sind. Für eine operative Steuerung kann zusätzlich Aktualität relevant sein. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Anwendungsfall, Datenmenge und Risikoprofil.

Die Bewertung der Datenqualität sollte nicht einmalig erfolgen. Denn Datenbestände verändern sich ständig: Neue Datenquellen kommen hinzu, Schnittstellen werden angepasst und große Datenmengen werden automatisiert verarbeitet. Deshalb ist es sinnvoll, Datenqualität kontinuierlich zu messen und Veränderungen sichtbar zu machen.

Datenqualitätsmanagement: Verantwortung, Standards und Governance

Datenqualitätsmanagement bedeutet, Datenqualität systematisch zu verwalten, zu messen und zu verbessern. Dabei geht es nicht nur um die Bereinigung einzelner fehlerhafter Daten. Es geht um wiederholbare Prozesse, klare Verantwortlichkeiten und geeignete Standards für Datenqualität.

Ein wirksames Datenqualitätsmanagement verbindet mehrere Perspektiven:

  • Fachbereiche definieren, welche Daten für ihre Aufgaben relevant sind und welche Qualitätsanforderungen gelten.
  • Data- und IT-Teams schaffen die technischen Voraussetzungen, um Daten aus verschiedenen Quellen kontrolliert zu integrieren, zu validieren und bei Bedarf zu automatisieren.
  • Data Governance legt fest, wer Daten verantwortet, welche Regeln gelten und wie mit Abweichungen umgegangen wird.
  • Geeignete Tools können die Messung, das Monitoring und die Bereinigung unterstützen. Sie ersetzen jedoch keine fachlichen Definitionen und keine klaren Verantwortlichkeiten.

Data Governance und Datenintegrität sind dabei eng miteinander verbunden. Datenintegrität beschreibt vereinfacht, dass Daten vollständig, korrekt und konsistent bleiben, wenn sie gespeichert, verarbeitet oder zwischen Systemen übertragen werden. Governance schafft den Rahmen, um diese Anforderungen im gesamten Unternehmen nachvollziehbar umzusetzen.

Das Ziel besteht nicht darin, jede Information mit maximalem Aufwand zu perfektionieren. Hohe Datenqualität bedeutet, dass die Qualität der Daten zum jeweiligen Anwendungsfall passt und für die relevanten Entscheidungen verlässlich genug ist.

Herausforderungen bei der Datenqualität und der Einsatz von KI

Die Herausforderungen bei der Datenqualität wachsen häufig mit der Menge an Daten, der Zahl der Systeme und den Anforderungen an die Nutzung. Historisch gewachsene Anwendungen, unterschiedliche Fachdefinitionen und Daten aus verschiedenen Quellen können dazu führen, dass eine einheitliche Sicht fehlt.

Mit KI gewinnt das Thema Datenqualität zusätzlich an Relevanz. KI-Modelle arbeiten mit den Datensätzen, die ihnen bereitgestellt werden. Sind diese ungenau, unvollständig oder inkonsistent, kann auch das Ergebnis keine belastbare Faktenbasis ersetzen. KI kann die Analyse beschleunigen und Prozesse unterstützen. Sie löst aber keine grundlegenden Probleme in den Eingangsdaten.

Daher sollte die Einführung von KI mit der Frage verbunden sein, ob die zugrunde liegenden Daten für den vorgesehenen Zweck geeignet sind. Hochwertige Daten, klare Metadaten und eine konsistente Datenbasis helfen dabei, die Ergebnisse besser einzuordnen und ihre Nutzung verantwortungsvoll zu gestalten.

Vorteile guter Datenqualität: Schärfer sehen, fundierter handeln

Die Vorteile guter Datenqualität zeigen sich nicht erst in großen Transformationsprogrammen. Sie beginnen im operativen Alltag: weniger manuelle Abstimmung, eine schnellere Analyse, weniger Diskussionen über widersprüchliche Kennzahlen und eine bessere Grundlage für Entscheidungen.

Eine Verbesserung der Datenqualität kann insbesondere dabei helfen,

  • verlässliche Kennzahlen über Fachbereiche hinweg bereitzustellen,
  • Daten für Analysen und Reporting effizienter nutzbar zu machen,
  • Fehler und Duplikate früher zu erkennen,
  • Automatisierung auf einer belastbareren Grundlage aufzubauen,
  • die Eignung von Daten für KI- und Analytics-Anwendungen besser sicherzustellen.

Dabei ist nicht jede Datenqualität im gleichen Maß wichtig. Eine gemeinsame Monatssicht kann für bestimmte Managemententscheidungen völlig ausreichend sein. Andere Prozesse benötigen möglicherweise eine höhere Genauigkeit oder aktuellere Daten. Entscheidend ist, dass die Anforderungen transparent sind und die Qualität der Daten dazu passt.

Ein Handelshafen, fotografiert bei klarem Tageslicht
Wenn die Datenqualität stimmt, ist das Bild mehr als nur ein Eindruck.

Was Du aus Le Havre mitnehmen kannst

Monets Geschichte endet versöhnlich: Nach seiner Operation konnte er wieder Blautöne wahrnehmen, arbeitete weiter an seinen Seerosen und schuf auch im hohen Alter bedeutende Werke. Sein Sinnessystem hatte sich verändert und damit auch sein Output.

Für die Kunst war die Unschärfe ein Geschenk. Für Unternehmenssteuerung ist sie es in der Regel nicht.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Woher weißt Du, dass Dein Unternehmen den Hafen scharf sieht?

Der erste Schritt muss kein Tool-Kauf sein. Sinnvoller ist ein strukturierter Sehtest: Wo bestehen bereits verlässliche Daten- und Entscheidungsgrundlagen? Wo werden Annahmen, manuelle Abstimmungen oder widersprüchliche Kennzahlen noch für Fakten gehalten? Und in welchen Bereichen hätte die Verbesserung der Datenqualität den größten Nutzen?

Formate wie ein Data & AI Potentials Workshop können dabei helfen, Fach- und Führungsperspektiven zusammenzubringen. Gemeinsam lässt sich herausarbeiten, wo schärferes Sehen für Kundenbeziehungen, Prozesse und strategische Entscheidungen den größten Unterschied machen kann.



Du möchtest Datenqualität gezielt verbessern und eine gemeinsame, verlässliche Faktenbasis schaffen? Wir unterstützen Dich dabei, relevante Datenpotenziale zu identifizieren, Verantwortlichkeiten zu klären und passende Maßnahmen für Deine Datenstrategie abzuleiten.

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b.telligent – das ist Data Analytics, AI, Customer Engagement und Data Visualisation. Das ist Deutschland, Österreich, die Schweiz und Rumänien. Doch das Entscheidende ist unser Team: Menschen mit echter Leidenschaft für Daten, die gemeinsam innovative Lösungen schaffen und Unternehmen nachhaltig voranbringen.

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